Welche Rolle spielt das Cholesterin?

Das Mysterium um das Cholesterin

Welche Rolle spielt es bei der Verkalkung der Arterien? Wie hoch dürfen die Cholesterinwerte sein? Beeinflusst das Cholesterin aus der Nahrung den Cholesterinspiegel?

 

Studienlage: Wem kann man glauben?

Gerade weil hier mit den sogenannten Statinen (einem Medikament, dass den Cholesterinspiegel senken soll) sehr viel Geld gemacht wird, sind viele Studien zu diesem Thema nicht unbedingt vertrauenswürdig.

Vor allem jene Studien, die von der Pharmaindustrie finanziert worden sind oft mit bestimmten Tricks so manipuliert, dass die scheinbar eindeutigen Ergebnisse kaum einen wissenschaftlichen Wert haben.

Vielleicht deswegen hat sich auch eine Gegenbewegung entwickelt, die behauptet, das Cholesterin habe nicht den bisher angenommenen Einfluss auf koronare Herzkrankheiten. Bücher und Dokumentationen wie „Die Cholesterinlüge“ sind Teil dieser Bewegung.

Aber wie genau sieht die aktuelle Studienlage aus? Steht ein erhöhter Cholesterinspiegel in Zusammenhang mit der Entstehung von sogenannten Plaques in den Arterien?

Schulmedizinische Sicht

Hier gilt vor allem ein erhöhtes Gesamtcholesterin als Risikofaktor für die Entstehung von Arteriosklerose. Als gesunder Referenzwert gilt laut der dge (deutsche Gesellschaft für Ernährung) ein

Gesamtcholesterin von unter 200mg/dl.

Doch die ganze Thematik ist viel komplizierter. Für ein besseres Verständnis hilft es, zu verstehen, wie so ein Plaque überhaupt entsteht.

Das Cholesterin quasi der Baustoff für die Plaques. Ganz einfach ist die Entstehung von Atherosklerose aber trotzdem nicht.

Denn es gibt neben dem Gesamtcholesterinwert auch noch das HDL-Cholesterin, das LDL-Cholesterin und darunter wiederum das oxidierte LDL-Cholesterin.

 

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chemischer Aufbau von Cholesterin

Argumente für einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Cholesterinspiegel und Entstehung von Plaques…

In Beobachtungsstudien wurden junge Männer zwischen 18 und 39 für insgesamt 34 Jahre hinsichtlich ihres Cholesterinwertes und ihrem Risiko für Herzkrankheiten beobachtet. Dabei kam ein

eindeutiger Zusammenhang heraus: der Cholesterinspiegel konnte als Langzeitprognose für Herzkrankheiten und Tod angesehen werden!

Männer mit Gesamtcholesterin-Werten unter 200 mg/dl hatten in diesen Studien eine
ca. 4-9 Jahre längere Lebenserwartung als Männer mit Werten über 240 mg/dl.

Diese Studien sind allerdings sehr anfällig für andere Faktoren neben dem Cholesterin. So kann es beispielsweise sein, dass die Männer mit niedrigerem Cholesterin sich auch insgesamt gesünder ernährt haben und weniger weitere Risikofaktoren auswiesen. Daher sind die Ergebnisse aus diesen Studien ungenau und mit Vorsicht zu genießen.

Deutlich aufschlussreicher

Es gibt einen bestimmte Genmutation (Variation in der Sequenz des PCSK-9 Gens), die dafür sorgt, dass der Cholesterinspiegel das ganze Leben lang ungewöhnlich niedrig ist. In Studien wurde gezeigt, dass Menschen mit dieser Genmutation ein

88% geringeres Risiko haben, an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken.

Das interessante an diesen Studien ist, dass diese Menschen alle anderen Risikofaktoren für die KHK genauso erfüllten wie die restliche Durchschnittsbevölkerung. Das KHK-Risiko wurde also unabhängig von Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck usw. um 88% gesenkt.

PCSK9 Gen

Eine derartige Senkung des Cholesterinspiegels mit Medikamenten wie Statinen allerdings, kann nur eine ca. 30%ige Reduzierung koronarer Herzerkrankung herbeiführen.

Dies kann man mit Sicherheit zu einem Großteil darauf zurückführen, dass Menschen mit der Genmutation ihr Leben lang einen sehr niedrigen Cholesterinspiegel haben und sich die Plaques gar nicht erst bilden.

Allerdings wirft es auch die Frage auf, ob eine Reduzierung des Cholesterinspiegels über Medikamente der einzige Weg ist, Arteriosklerose zu vermeiden.

 

Wo Herzkrankheiten gar nicht existieren

Andere Studien haben gezeigt, dass Krankheiten, die auf Arteriosklerose beruhen (Herzinfarkt, Schlaganfall, …) in Bevölkerungen, mit einem

LDL-Cholesterinspiegel zwischen 50 und 70 mg/dl quasi nicht existieren.

Unabhängig von allen anderen Risikofaktoren, die laut Schulmedizin allgemein zur Entstehung von Arteriosklerose beitragen.

Genau dort liegt auch der physiologische LDL-Wert des Menschen, denn diese Werte entsprechen denen, die

  • Neugeborene bei der Geburt
  • und andere Primaten aufweisen

Außerdem deuten alle weiteren Studien darauf hin, dass ab LDL-Werten von 50 – 70 mg/dl keine Arteriosklerose mehr entsteht.

 

LDL als notwendige Bedingung

Dies würde bedeuten, dass das Cholesterin eine Art „notwendige Bedingung“ für die Entstehung von Arteriosklerose darstellt. Bei einem LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl könnte man dann alle anderen Risikofaktoren aufweisen und wäre trotzdem sicher vor Herzinfarkt und Co.

Dies postuliert auch der geschäftsführende Direktor des Baylor Herz- und Gefäßinstituts Dr. William Clifford Roberts, der außerdem jahrelanger Chefredakteur des American Journal of Cardiology war.

Er beruft sich auf diese Studien und behauptet, die sogenannte „Cholesterin-Kontroverse“ bestehe nur, weil schon die Referenzwerte in der Schulmedizin viel zu hoch angesetzt seien.

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aus: Pocketleitlinien Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: „Risikoadjustierte Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen“

Dadurch, dass (je nach Risikoprofil) ein LDL-Cholesterin von unter 160 mg/dl als normal angesehen wird, entsteht schnell das Bild, das Cholesterin habe nichts mit Herzkrankheiten zu tun.

Denn wenn Plaques sowohl bei Menschen mit einem LDL von 200mg/dl als auch bei solchen mit einem „normalen“ LDL von 160mg/dl auftreten, kann es nicht die gesamte Entstehung von Arteriosklerose erklären.

Hierbei wird allerdings nicht bedacht, dass auch ein LDL-Wert von 150 mg/dl schon ausreicht, damit Plaques sich bilden.

Trotzdem: Hohes Cholesterin MUSS NICHT zu Herzkrankheit führen

Gleichzeitig kann man aus diesen Daten jedoch nicht schließen, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel immer automatisch zu einer Verkalkung der Arterien führen muss.

Dass bei einem LDL-Cholesterinspiegel von 50-70 mg/dl allerdings quasi keine Arteriosklerose entstehen kann, ist nahezu sicher.

Argumente, weshalb das Cholesterin gar nichts mit Arteriosklerose zu tun haben sollte…

Die Gegenseite des Ganzen stellt sich vehement gegen die Meinung der Schulmedizin. Mit der von 3sat veröffentlichten Dokumentation „Die Cholesterin-Lüge“, sind diese Zweifel populärer geworden.

Die Dokumentation zeigt, dass Statine den Cholesterinspiegel mehr oder weniger stark senken können.

Allerdings erleiden 50-70% der Menschen, die Statine einnehmen, trotzdem einen Herzinfarkt.

Deshalb ist umstritten, ob Statine überhaupt einen Nutzen bringen. Wenn nur der Cholesterinspiegel erhöht ist, ohne Atherosklerose, ist ihr Nutzen nicht belegt.

Stattdessen belegen immer mehr Studien zahlreiche schwerwiegende Nebenwirkungen von Statinen.

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chemischer Aufbau von Simvastatin

Ich möchte damit also keinesfalls zum Ausdruck bringen, dass Statine überhaupt keinen Nutzen haben.

Allerdings scheint der Nutzen vor allem für Menschen, deren einziger Risikofaktor das erhöhte Cholesterin darstellt, nicht nachweisbar zu sein.

Dies kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen setzt eine Therapie mit Statinen meistens in einem Alter um die 50-60 Jahre ein, in dem sich bereits ein Plaque gebildet haben kann.

Wenn man ein Leben lang sehr hohe Cholesterinwerte hat und dadurch die Arterien bereits verkalkt sind, kann man durch eine reine Senkung des Cholesterinspiegels durch Medikamente anscheinend nur begrenzt das Risiko für KHK senken.

Zum anderen ist Cholesterin nicht gleich Cholesterin und während den meisten Menschen noch der Unterschied zwischen dem HDL und dem LDL-Cholsterinwert bekannt ist, sagt beispielsweise das oxidierte LDL-Cholesterin den wenigsten etwas. Doch gerade hier scheint das größte Risiko von auszugehen.

Viel wichtiger als das Cholesterin ist außerdem die Gesundheit des Endothels, der innersten Schicht der Gefäße. Ist dieses intakt, kann das Cholesterin sich gar nicht erst absetzen und zu einer Plaque führen. Es erfüllt dann außerdem viele wichtige Funktionen. Allerdings kann es vor allem vom oxidierten Cholesterin verletzt werden.

 

Fazit

Die Studienlage zum Thema Cholesterin lässt bisher nur folgende Schlüsse zu:

  • Wenn du deinen LDL-Cholesterinwert auf unter 70 mg/dl senken kannst, bist du vor Atherosklerose geschützt.
  • Liegen deine Werte darüber, muss dies aber nicht unbedingt zu Atherosklerose führen. Es kommt dann vor allem auf die Höhe deines oxidierten LDLs und des LDL Phänotypen B an, die leider nur selten gemessen werden. Diese sind durch den Lebensstil und die Ernährung beeinflussbar.

Statine helfen nur Menschen, die bereits an einer Herzerkrankung leiden. Wenn du „nur“ einen erhöhten Cholesterinspiegel hast, überlege dir gut, ob du Statine nehmen möchtest, denn sie haben zahlreiche Nebenwirkungen.

Ist dein Cholesterin erhöht solltest du vor allem auf deine Endothelgesundheit achten. Dieses wird vor allem durch oxidiertes LDL-Cholesterin verletzt. Lese dir hierzu meinen Beitrag zum Thema Endothel durch. Maßnahmen, mit denen du dein Endothel schützt führen automatisch auch zu einer natürlichen Senkung des Cholesterinspiegels.

 

 

Quellen:

DGE:
https://www.dge.de/presse/pm/cholesterinwerte-im-griff/

PUBMED:
– Stamler J, Daviglus ML, Garside DB, Dyer AR, Greenland P, Neaton JD: Relationship of baseline serum cholesterol levels in 3 large cohorts of younger men to long-term coronary, cardiovascular, and all- cause mortality and to longevity, in: JAMA, 2000, Jul
– Cohen JC, Boerwinkle E, Mosley TH Jr, Hobbs HH: Sequence variations in PCSK9, low LDL, and protection against coronary heart disease, in: N Engl J Med, 2006, Mar
– Benjamin MM, Roberts WC: Facts and principles learned at the 39th Annual Williamsburg Conference on Heart Disease, in: Proc (Bayl Univ Med Cent), 2013, Apr

YOUTUBE:
Dr. Greger: „How do we know that Cholesterol causes heart disease?“ https://youtu.be/IUrP-g9TYdQ
Dr. Greger: „Optimal Cholesterol Level“ https://youtu.be/lakaozfALho

DOKUMENTATION: „Die Cholesterin Lüge“; https://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/181759/index.html