schützendes HDL?

Je mehr, desto besser?

Das HDL-Cholesterin, auch bekannt als das „Hab Dich Lieb“-Cholesterin, gilt weit verbreitet als das „gute Cholesterin“. In der Schulmedizin wird es noch immer als erstrebenswert angesehen, ein möglichst hohes HDL-Cholesterin zu erreichen. Aber stimmt das wirklich? Um welches HDL genau geht es hier überhaupt? Und wieso sollte man vielleicht sogar ein niedriges HDL anstreben?

 

Funktion des HDL-Cholesterins

Es soll der Theorie nach das „böse“ LDL-Cholesterin aus der Blutbahn befreien. Schaut man sich den Weg an, den das Cholesterin in unserem Körper zurückliegt, klingt dies auch logisch.

Als HDL-Cholesterin werden jene Partikel bezeichnet, die überschüssiges Cholesterin in den Gefäßen einsammeln und zur Leber transportieren, von wo aus das Cholesterin ausgeschieden oder anderweitig verwendet werden kann.

Was ist HDL überhaupt?

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HDL-Partikel

Beim HDL- und LDL-Cholesterin handelt es sich nicht um zwei verschiedene Formen von Cholesterin. Es gibt nur ein Cholesterin, das jedoch unterschiedlich verpackt in unserem Blut vorkommt.

Cholesterin ist nicht in Wasser löslich und muss daher immer an andere Stoffe gebunden sein, um im Blut transportiert zu werden.
Beim HDL wie auch beim LDL handelt es sich also nicht um reines Cholesterin, sondern um sogenannte „Lipoproteine“. Eine Zusammensetzung aus Lipiden (Fetten) und Proteinen.

HDL ist natürlich nicht die Abkürzung für „Hab dich lieb“, sondern für „high density lipoprotein“. Es hat eine besonders hohe Dichte, weil es vor allem aus Proteinen besteht und weniger Fette und Cholesterin enthält.

HDL-Subfraktionen

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Subfraktionen wie dem HDL2 und dem HDL3, wobei das HDL2 stärker protektiv sein soll. Wie wichtig das in der Praxis ist und was sich daraus für Konsequenzen ableiten ist allerdings noch unklar.

Allerdings belegen neuere Studien, dass der Zusammenhang zwischen einem hohen HDL-Spiegel und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen nicht kausal ist.

Kein Vorteil durch höheren HDL-Spiegel

In zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass Menschen mit einem vergleichsweise hohen HDL-Spiegel seltener an Herzerkrankungen erkranken.

Deswegen muss ein hoher HDL-Spiegel aber nicht direkt vor Herzerkrankungen schützen.

Ein hoher HDL-Spiegel kann auch eine Folge von einem ganz anderen Faktor sein, der wiederum schützend auf die Gesundheit der Gefäße wirkt.

Der HDL-Spiegel wird durch viele Faktoren beeinflusst:

  • Ernährung
  • Sport
  • Genetik
  • weitere Lebensstilfaktoren

Korrelation

Viel Ausdauersport führt beispielsweise zu einer Erhöhung des HDL-Spiegels. Außerdem senkt regelmäßiger Ausdauersport das Risiko für eine Herzerkrankung.

Wahrscheinlich ist hier der Sport der Grund für das geringere Herzerkrankungsrisiko. Der HDL-Spiegel ist dagegen nur ein Nebeneffekt, aber keine Ursache an sich. Natürlich gibt es neben regelmäßigem Sport noch viele weitere Faktoren, die sowohl das Risiko für Herzerkrankung senken, als auch den HDL-Spiegel erhöhen (s.oben).

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Woher wissen wir, dass das HDL nicht die Ursache für ein geringeres Risiko ist?

In Studien konnte gezeigt werden, dass Menschen die aufgrund genetischer Veranlagung ihr Leben lang einen besonders hohen HDL-Spiegel haben, kein geringeres Risiko für Herzerkankungen aufweisen.

Ein höheres HDL gilt außerdem nur als schützend, wenn bisher keine Herzkrankheit vorliegt. Schaut man sich allerdings Patienten an, deren Arterien bereits verkalkt sind, steht der HDL-Spiegel nicht mehr länger im Zusammenhang mit dem Risiko für Herzinfarkt und Co.

Dies bestätigt wieder die Theorie, dass es andere Faktoren gibt, die das Herz gesund halten und wie als Nebeneffekt, auch den HDL-Spiegel erhöhen.

Außerdem ist in weiteren Studien versucht worden, medikamentös den HDL-Spiegel zu erhöhen. Auch hier konnte kein Vorteil in Bezug auf die Entstehung von Herzerkrankungen nachgewiesen werden.

HDL ist nicht gleich HDL

Die genaue Wirkung und Funktion des HDL-Cholesterins scheint im Einzelfall tatsächlich viel mehr von seiner genauen Zusammensetzung aus Cholesterin, Lipiden und Protein abzuhängen.

Diesbezüglich hat der einfache Wert des HDL-Spiegel kaum eine Aussagekraft. Bei einer ungünstigen Zusammensetzung der HDL-Partikel konnten jedoch sogar negative Auswirkungen des HDLs auf die Herzgesundheit nachgewiesen werden.

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Ist jetzt auch das HDL böse?

Eventuell ja. Auf dieses Phänomen geht auch Dr. Esselstyn ein: Er erklärt, dass ein besonders hoher HDL eigentlich für ein schlechter funktionierendes HDL-Lipoprotein steht.

Tatsächlich scheint man durch eine mischköstliche, „normale“ Ernährung einen Bestandteil seines HDLs sogar so zu verletzen, wodurch es entzündungsfördernd wirkt und unsere Arterien schädigt.

 

Fazit

Ein hoher HDL-Wert kann nicht länger als schützend für das Herz angesehen werden. Vielmehr ist er von so vielen Faktoren abhängig, dass der Wert kaum Aussagekraft hat.

Schütze dein Herz, indem du den Fokus auf Sport und richtige Ernährung lenkst.

Du hast einen sehr hohen HDL-Wert? Auch das kann schädlich sein! Beschäftige dich genauer damit, woran das liegen könnte. Machst du einfach besonders viel Sport? Oder könnte dein Körper mehr HDL produzieren, weil jedes einzelne HDL verletzt und so ineffektiver ist?

 

Quellen:

PUBMED:
– März W, Kleber ME, Scharnagl H, Speer T, Zewinger S, Ritsch A, Parhofer KG, von Eckardstein A, Landmesser U, Laufs U.: „HDL cholesterol: reappraisal of its clinical relevance.“, in: Clin Res Cardiol., Sep 2017
– Morgan J, et al. : „High-density lipoprotein subfractions and risk of coronary artery disease.“, in: Curr Atheroscler Rep. 2004.
– Superko HR, et al.: „High-density lipoprotein subclasses and their relationship to cardiovascular disease.“, in: J Clin Lipidol. 2012.

YOUTUBE:
– „Coconut oil and the boost in HDL“ https://youtu.be/byBte5p8k5Y

AMBOSS:
https://www.amboss.com/de/library#xid=D601MS&anker=Zff6f4fd80161180060c203429a9a9536

BILDER:
– pixabay: https://pixabay.com/de/

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